Wanen

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Die Wanen (abgeleitet vom altnordischen vanir; auch Vanen geschrieben) bilden neben den jüngeren Asen das ältere der beiden Göttergeschlechter in der nordischen Mythologie. Sie wohnen in Vanaheimr.

Allgemeines

Den Wanen, als Göttern des Herdfeuers, des Ackerbaus etc. werden Eigenschaften wie Fruchtbarkeit, Erdverbundenheit und Wohlstand zugeschrieben. Nach einem mythologischen Kampf (dem Wanenkrieg) gegen die Asen überlassen die Wanen den Asen als Zeichen des Friedens und zu dessen Sicherung Njörðr und dessen Kinder, die Zwillinge Freyja und Freyr als Geiseln. Im Gegenzug erhalten die Wanen den Asen Hoenir sowie den weisen Riesen Mimir.

Zu den Wanen gehören lediglich Freyr, Freyja und Njörd. Die altnordischen vanir stehen in der nordgermanischen Tradition isoliert da; es gibt kein Vergleichsmaterial aus dem Westgermanischen. Entsprechend ist auch die Wortherkunft ungeklärt (Grimm schlägt eine Ableitung von vaenn "schön, herrlich" vor; von Keyser stammt die Verbindung mit vanr "leer", etwa "die Leeren, Unkörperlichen"). Vergleichend kann man Parallelen von "rivalisierenden Götterfamilien" aus anderen Kulturen nennen, etwa die indo-iranischen devas und asuras, oder die griechischen Titanen und Olympier.

Begriff Wanen

Snorri bezeichnet Njörð, Frey und Freyja, die nach dem Wanenkrieg als Geiseln bei den Asen wohnen, in der Ynglinga saga als Wanen. In der Gylfaginning sagt er, sie seien Asen. (Kap 23, 24). Auch in der Skaldskapamál zählt er in Kap. 1 Njörð und Freyr unter den Asen auf. Nach dem Friedensschluss am Ende des Wanenkrieges hört man von den Wanen nichts mehr.

Mythen

Der Wanenkrieg

In der nordischen Mythologie wird von einem Krieg zwischen den Asen und Wanen erzählt.

Da wurde Mord in der Welt zuerst,

Da sie mit Geren Gulweig stießen,

In des Hohen Halle die Helle brannten.

Dreimal verbrannt ist sie dreimal geboren,

Oft, unselten, doch ist sie am Leben.

(Voluspa 25)

Gullveig wird als Hexe bezeichnet und ist anschaulich erklärlich durch ihren Namen, der soviel wie Gold, bzw, Goldkraft bedeutet. Das Gold Menschen "verhext" ist ein altes wie neues Phänomen. Im mythologischen Kontext ist Gold aber auch ein Stoff aus der Erde, der zudem Handel ermöglichen kann und damit einen, wenn auch indirekten Bezug zu Fruchtbarkeit und Wohlstand besitzt. Damit ließe sich ein enger Zusammenhang mit den Wanen vermuten.

Über den Wanenkrieg wurde viel spekuliert.

  • Eine Annahme besagt, dass es einen alten Konflikt zwischen den Indogermanen (Asenverehrern) und der damals in Europa ansässigen Megalithkultur (Wanen) darstellen könnte. Davon muss man allerdings absehen, weil die Wanderungsbewegungen der Indogermanen (Indoeuropäer) einerseits und sie als Volk andererseits nicht nachweisbar sind (vgl. Reinhard Wenskus) und zum anderen weil die Megalithbauten über einen Zeitraum von 9000-2000 v.d.Zt. entstanden sind. Dadurch wird ein Kulturkonflikt durch Wanderungsbewegungen extrem unwahrscheinlich.
  • Ein anderer Ansatz wäre ein früher Konflikt zwischen zwei Kulturidealen: auf der einen Seite die alte bäuerlich-handfeste Göttervorstellung, auf der anderen Seite eine kultiviertere, transzendente Auffassung von den Göttern. Diese Annahme beruht also auf einer Entwicklung der Götterwelt, die sich durch die veränderten Anschauungen der Menschen ergab.
  • Ein dritter Erklärungsansatz geht davon aus, dass es sich beim Wanenkrieg um einen literarischen Kunstgriff handelt. Die Wanangötter bilden demnach ursprünglich keine eigene Gruppe. Zum einen werden sie zuweilen auch als Asen bezeichnet, zum anderen finden sich keine indoeuropäischen Entsprechungen zweier Göttergruppen. Nur im indischen Mahabarata findet man ansatzweise vergleichbares, als zwei Brüder unter die Götter aufgenommen werden sollen, die Götter sich aber weigern. (vgl. Dumezil: "Loki" - die Erschaffung des Riesen "Rausch" durch einen Asketen).

Die mythologische Genealogie spricht für die letztere Annahme: Njörd "entstand" sozusagen aus der älteren, bei Tacitus erwähnten, südlichen Nerthus, die als ungeschlechtliches Numen für Fruchtbarkeit verehrt wurde, und Tacitus umschreibt das Numen (numen ipsum) als "Terra Mater" (Mutter Erde). Der Kult der Nerthus wanderte in den Norden und Nerthus wurde nachweislich vermännlicht zu Njörd.

Nach Phillipson hat schließlich der männliche Freyr den alten Njörd als Fruchbarkeitsgott beerbt. Das Geschwisterpaar Freyr und Freyja (die lautlich fast gleich klingen) stellen damit die männliche und weibliche Seite der Fruchtbarkeit dar, in der Njörd, bzw. vorher Nerthus aufgegangen ist.

Kult

Der historische Ursprung des Wanenkultes ist umstritten, da nicht klar ist, wie weit die Vorstellung des Wanengeschlechts überhaupt in die Zeit der germanischen Völker zurückreicht und wie die spärlichen Hinweise aus frühester Zeit zu deuten sind. Es handelt sich daher vielmehr um Rückspiegelungen heutiger Wanenvorstellungen. Diese werden am ehesten im Bereich der Nord- und Ostsee lokalisiert, wo man Assoziationen zu den Beschreibungen der Wanen finden kann - vor allem bei den Stämmen der Suinonen und matriarchalischen Aestier, wobei letztere wahrscheinlich einen baltischen Stamm darstellen (Name der späteren Esten). Diese Völker leben am Meer und führen Krieg nur unter bestimmten Voraussetzungen, sind als Gegner aber zumindest wegen ihrer Schiffe gefürchtet. Sie gelten als sehr engagierte Bauern und Verehrer der Göttermutter. Als Abzeichen haben sie (wie Freyr und Freyja) den Eber und sammeln unverarbeiteten Bernstein. Selbst in ihrer Hochschätzung von Reichtum und autoritäter Herrschaft lassen sich Parallelen zu den Wanen finden.


Pferdegötter

Ansichten, die die Wanen mit den Pferden in Verbindung bringen (besonders bei den baltischen und angelsächsischen Nord- und Ostseevölkern), verweisen auf die Mythen des Brüderpaars Hengist und Horsa. Auch Tacitus schreibt von strahlenbekränzten Pferdegestaltenn, die bei Sonnenaufgang mit lauten Geräuschen aus dem Meer auftauchen sollen. Zudem rücken sie den Wanenkult in eine Nähe zur Verehrung der Alken bei den Naharnavalen vermutlich im Gebiet der oberen Oder. Dem Heiligtum stand ein männlicher Priester vor, der mit weiblichen Merkmalen ausgestattet war. Tacitus verwendet hierfür den lateinischen Ausdruck muliebris ornatus „Ausstattung, Gewand oder Schmuck der Frauen“. In Frage kommen bunte (ungegürtete) Frauenkleidung oder weibliche Schmuckgegenstände.[1] Denkbar ist aber auch, dass der Alcispriester lediglich einen weiblichen Kopfschmuck benutzte.

Der Sinn der weiblichen Aufmachung wird nicht klar. In der römischen Welt gab es durchaus auch rituelles Transvestitentum. In Rom trug der Priester der großen Mutter, der magna mater oder terra mater, Frauengewänder, auf Kos der Heraklespriester, ebenso ein Priester auf einem kretischen Wandgemälde.[1] Vielleicht steht die gegengeschlechtliche Kleidung in Zusammenhang mit Fruchtbarkeitskulten, da Zwillinge als Zeichen besonderer Fruchtbarkeit galten.[1] Die weibliche Ausstattung könnte aber auch ein Nachhall weiblichen Schamanismus sein (Sergej A. Tokarev). Genauso denkbar ist jedoch auch, dass sie auf männlichen Schamanismus zurückgeht.[2]


Siehe auch: Asen

Siehe auch: Nordgermanische Religion


Literatur

E.A. Phillipson: Die Genealogie der Götter

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  2. Jacques Brosse: Mythologie der Bäume. 4. Auflage. Ostfildern 2003, ISBN 978-3-530-11616-8, S. 34