Tyr

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Týr in der Gestalt von Mars (Island, 18. Jh.)
Tyr und Fenrir in einer Illustration von John Bauer (1911)

Teiwaz (Tiwaz) ist der rekonstruierte Name eines frühen germanischen Gottes, ursprünglich sowohl ein Rechtsgott und Schützer der Ding-Versammlung (Thing) als auch ein Kriegsgott. In der nordgermanischen Religion erscheint dieser Name als Tyr, althochdeutsch ist Ziu, Zio; altenglisch wäre Tiw (nicht direkt belegt). Teiwaz (Tyr) ist ein Hochgott der Germanen. Weil das Thing, die Volksversammlung im Schutz Tyr's steht, steht er auch im Zusammenhang mit Beratungen, Eiden, Verträgen, insbesondere Gerechtigkeit und rechtmäßiger Ordnung.

Im spätrömischen Reich wurde dieser Gott mit dem Kriegsgott Mars identifiziert, nach seiner Zuständigkeit für das Thing inschriftlich im 3. Jh. als Mars Thincsus belegt. Diese Identifikation führte zur Übersetzung des Namens des Dienstags, dies Martis als "Tag des Tiwaz" (ahd. ziestag, aengl. tivesdag, altnordisch tŷsdagr; "Dienstag" ist eine moderne Verballhornung, geläufig seit dem 17. Jh.)

Der Name geht auf ein vorgermanisches deiwos zurück, der indogermanische Ausdruck für "Himmlischer; Gottheit" (davon auch lat. deus) . Bezeichnenderweise kann altnodrisch tyr auch "Gott" allgemein bedeuten; neben den Kollektivbezeichnungen "Bont" (die bindenden, fesselnden Mächte), "Hropt" (die magischen) komnmt auch die "Tivar" vor. Die "Siegtivar" sind die Sieggötter, Siegtyr ist eine kenning für Odin. Tivar oder tyr konnte als Endung praktisch jeden Gott bezeichnen, so erscheint "tyr" außerdem als Synonym für die Gottheit an sich. Gemeingermanisch Teiwaz kann daher eine Gattungsbezeichnung gewesen sein, "der Gott (schlechthin)" für den Hauptgott, der daneben auch einen anderen Eigennamen getragen haben kann; namentlich Saxnot wird als Eigenname dieses Gottes unter den Sachsen verstanden.

Die hohe Stellung des Gottes in der frühen germanischen Religion wird davon untermauert, dass für Tyr eine Rune steht (sonst nur Ansuz, und vielleicht (unsicher) Ingwaz).

In der eddaischen Literatur wird Tyr aber eher nebenbei behandelt. Unter anderem erscheint er in der Geschichte von Thor und Tyr, die den gewaltigen Braukessel besorgen (Hymirlied), in der von seiner schönen Mutter und seiner häßlichen Großmutter die Rede ist, die neunhundert Häupter hat. Die bekannteste Geschichte von Tyr ist die Fesslung des Fenriswolfs, einer der drei Nachkommen Lokis mit Angrboda. Die Bindung des Wolfes war für die Götter existentiell wichtig. Bei der Unternehmung verliert Tyr seine rechte Hand. Sein Attribut ist das Schwert, das er fortan mit der linken führt. Zu Ragnarök, dem Endschicksal der Götter, tötet der Gott den "Höllenhund" Garm, der vor der Gnipahöhle (an. Gnipahellir) lag und losgekommen war, Tyr selbst kommt bei dem Kampf um.

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