Sachsen

(Weitergeleitet von Sachsen (Volk))

Die Sachsen sind Angehörige eines westgermanischen Stammesverbandes, der seit dem 2. Jahrhundert und 3. Jahrhundert, vielleicht auch schon früher, den Nordwesten des heutigen Deutschland und den Osten der heutigen Niederlande bewohnte. In Abgrenzung zur Bevölkerung im ehemaligen wettinischen Obersachsen, deren Sprache jünger ist und auf dem fränkischen fußt, wird auch der Begriff Altsachsen verwandt.

Siedlungsgebiet

Die germanischen Stämme der Sachsen (siehe niedersächsischer Sprachraum) waren im niederdeutschen Gebiet zwischen Zuiderzee (heute IJsselmeer), dem Raum von der Weser bis zur Elbe sowie nördlich der Elbe in Holstein (bis zur Eider) heimisch.

In den darauffolgenden Jahrhunderten eroberten sächsische Stämme weite Teile Niederdeutschlands (heute Nordwestdeutschland und östliche Niederlande) und gliederten die dort lebenden germanischen Stämme ihrem Stammesverband ein, zuletzt im 6. Jahrhundert und 7. Jahrhundert das Hamaland (heutiges Westmünsterland), das Land der Brukterer und nördliches Ruhrgebiet). Später unterschied man drei Teilstämme bzw. Stammesgruppen.

Der heutige Sachsen|Freistaat Sachsen (historisch auch Kurfürstentum Sachsen bzw. Obersachsen) hat mit dem historischen Volk der Sachsen im niederdeutschen Sprachraum nichts gemein, außer dem Namen aufgrund historischer Namensverschiebungen; die Vorfahren der Bewohner des heutigen Freistaates Sachsen gehör(t)en dem mittelhochdeutschen Dialektraum an. Allein die Mark Meißen, Teil des heutigen Freistaates, welche 1423 den Namen des Herzogtum Sachsens und später das Kurfürstentum verliehen bekam, wurde 965 vom sächsischen Kaiser Otto I. gegründet.

Der Name

Die Herkunft der Stammesbezeichnung ist nicht geklärt. Es wird oft angenommen, dass die antiken Autoren, die den Begriff aufbrachten den Namen von dem typischen Hiebmesser der Sachsen, dem Sax, abgeleitet haben [1]. Aus einer Handschrift des endenden 8. Jahrhunderts, dem sogenannten sächsischen Taufgelöbnis sollte der Täufling einem Gott Saxnot neben den gemeingermanischen Göttern Wodan und Donar abschwören. Ob das Volk neben dem Namen Sachsen (altsächsisch sahso) auch noch andere Eigenbezeichnungen verwendet hat, ist nicht überliefert.

Germania, Anfang des 2. Jahrh. n. Chr. (Harper and Brothers, 1849)

Das Siedlungsgebiet dieser Stämme umfasste grob die östlichen Niederlande, das heutige Westfalen, Niedersachsen mit Ausnahme des von Friesen bewohnten Landesteils, Holstein und den Norden von Sachsen-Anhalt.

Seit dem 3. Jahrhundert klagen römische Quellen über sächsische Seeräuber. Sachsen, Angeln und Jüten wanderten dann im 5. Jahrhundert in den südlichen Teil der britischen Hauptinsel ein (siehe auch Hengist und Horsa): das heutige England (Angelsachsen). Sie wurden dort nach einer gewaltsamen Landnahme zu den dominierenden Kulturen. So wurde im keltischen und irischen Sprachgebrauch der Stammesname (irisch: Sasana, Sasanach, gälisch: Sasunn, Sasunnach) für England, englisch bzw. die heutigen Engländer verwendet. Der heutige Name England lässt sich klar von den Angeln ableiten, während Landschaftsnamen wie Wessex („Westsachsen“), Essex („Ostsachsen“), Sussex („Südsachsen“) und Middlesex („Mittelsachsen“) auf die sächsischen Einwanderer hinweisen.

Nach Berichten aus dem 4. Jh. machte das Siedlungsgebiet der Chauken große Teile desjenigen aus, in dem für die selbe Zeit die Sachsen erwähnt wurden. Da es keinerlei Hinweise auf kriegerische Auseinandersetzungen zwischen beiden Völkern gibt, wird vermutet, die Chauken seien damals ein Teilstamm der Sachsen gewesen, die späteren Westfalen und Engern umfassend.

Von der Völkerwanderung kaum berührt, bewahrten die auf dem Festland verbliebenen Sachsen bis zur Unterwerfung durch Karl den Großen die alte germanische Stammesverfassung ohne König, mit der Versammlung der Freien in Marklo, dem Thing, zur Regelung aller politischen Angelegenheiten. Herzöge übernahmen nur in Kriegszeiten Führungsrollen.

Die sächsischen Teilstämme

In der historischen Literatur kommen immer wieder die 4 Bezeichnungen sächsischer Teilstämme vor. Ob es sich dabei nicht auch um die fränkische Einteilung in Verwaltungsprovinzen handelt, ist noch nicht geklärt. Im späten Mittelalter bezeichnete der Name „Ostfalen“ nicht ein Verwaltungsgebiet, sondern ein von „Engern“ und „Westfalen“ unterschiedenes Rechtsgebiet.

Im Zuge der Sachsenkriege wurde die freie Ordnung der sächsischen Teilstämme zerstört. Nie hatten sie sich einem Fürsten oder gar König unterordnen müssen. Sie schufen über Jahrhunderte eine stabile Stammesverfassung mit jährlichen Versammlungen, den Things, bei denen alle politischen Angelegenheiten besprochen wurden. Hierfür wurden Gaufürsten oder Stammesfürsten bestimmt, die auf diesen Things zusammentrafen, um die Interessen Ihrer Stämme zu vertreten. Diese Gaufürsten hatten aber im Gegensatz zu Fürsten oder Herzögen anderer nicht sächsischer Gebiete keinen Anspruch auf das Gebiet oder Land, welches sie vertraten. Lediglich in Kriegszeiten stellten sich die Sachsen unter die Führung eines Herzogs, welcher ein angesehener Krieger war und vom Volk, genau wie die Gau- und Stammesfürsten, bestimmt bzw. gewählt wurde.

Das alte Sachsenland bestand im Ganzen aus den drei Gauen:

  1. Westfalen: der westliche Teil des alten Sachsenlandes um die Flüsse Ruhr, Sieg, Lippe bis zur Ems, also das heutige Münsterland über Osnabrück bis zur friesischen Grenze, im Süden einschließlich des heutigen östlichen Ruhrgebietes und im Westen bis an die niederländische Grenze
  2. Engern: der mittlere Teil des alten Sachsenlandes um die Flüsse Weser, Diemel, Leine bis zur Aller, also das östliche Sauerland bzw. östliche Westfalen an der Weser von Hannoversch Münden bis über Minden um Göttingen bis an die untere Leine in Hannover hinauf bis Holstein und Friesland
  3. Ostfalen: der östliche Teil des alten Sachsenlandes um die Flüsse Aland, Ohre, Saale, Oker, Bode im Osten bis zur Elbe, also die Gegend um Magdeburg, Braunschweig, Hildesheim, Halberstadt im Süden einschließlich des Harzes, im Norden und Osten bis zur Elbe

Die Bezeichnung Westfalen ist als einzige erhalten geblieben, die Bezeichnungen Engern und Ostfalen sind bei der Auflösung des Herzogtums Sachsen nach der Achtserklärung Heinrichs des Löwen 1180 verloren gegangen. Nur der Name Engern hatte im Titel des Herrschers des jüngeren Herzogtums Sachsen mit dem Titel Herzog von Sachsen, Engern und Westfalen weiterhin Bestand. Ostfalen bestand darüberhinaus nur als Name des Ostfalengaus.

Im Bezug auf deutsche Mundarten spricht man aber auch heute noch vom Ostfälischen. Danach gliedert sich das Niedersächsische in folgende Sprachuntergruppen:

  1. Nordniedersächsisch
  2. Westfälisch
  3. Ostfälisch

Hier tauchen die alten sächsischen Stammes- oder Gaunamen wieder auf.

Westfalen

Die Westfalen lebten hauptsächlich zwischen Weser und Rhein, ihr Name hat die Bedeutung „Westmänner“ oder „Westsachsen“

Ostfalen, eigentlich Saxoniae Orientalis

Die Ostfalen („Ostmänner“) lebten zwischen Weser und Elbe. Dieses ursprünglich thüringische Gebiet wurde erst im 7. bis 10. Jahrhundert besiedelt.

Engern

Die Engern nahmen in Sachsen offenbar eine zentrale Stellung ein. Sie lebten an der Weser, zwischen Ost- und Westfalen. In ihrem Gebiet liegt die Stätte der jährlichen Versammlung von Marklo an der Weser. Der Name der Engern (lateinisch Angarii) scheint die verkürzte Form des Namens der Angrivarier zu sein, die demnach einen wichtigen Teilstamm der Sachsen bildeten.

Nordalbingier

Wie der Name (lateinisch albis Elbe) schon zeigt, lebten die Nordalbingier nördlich der Elbe und im Lande Hadeln. Der östliche Teil dieses Gebietes ging im 8. Jh. größtenteils an die von Osten einwandernden Slawen verloren (Ostholstein) und wurde erst im Hochmittelalter von den Holsteiner Grafen erneut unterworfen. Das sächsische Gebiet wurde nach Norden von Eider und Levensau (nördlich von Kiel), nach Osten durch die Schwentine begrenzt und stieß nur an der Kieler Förde an die Ostsee.

Geschichte

  • 200 bis 400 Die Sachsen breiten sich von Holstein kommend nach Süden aus und erreichen über das Elbe-Weser-Dreieck (siehe: Geschichte Hadelns) Westfalen und Ostfalen.
  • 300 bis 500 Sachsen segeln gemeinsam mit Angeln und Jüten nach Britannien und verschmelzen dort zu den Angelsachsen.
  • Um 450 werden von den Briten weitere Sachsen zum Schutz gegen die schottischen Pikten angeworben.
  • 477 erfolgt angeblich die Gründung des Königreiches Sussex.
  • Um 500 wird das Königreich Essex gegründet.
  • Um 530 erreichen die Sachsen den Rhein.
  • 531 zerschlagen festländische Sachsen und Franken gemeinsam das Königreich Thüringen in der Schlacht bei Burgscheidungen. Der Norden nördlich des Harzes wird sächsisch, der Süden fränkisch. Diese These ist allerdings sehr umstritten und ist wahrscheinlich einer Fehlinterpretation mittelalterlicher Chroniken geschuldet. Vielmehr scheinen die Sachsen infolge der Zerschlagung des Thüringer Königreiches mit in eine lose Abhängigkeit des Frankenreiches gelangt zu sein.
  • 568 24.000 Sachsen ziehen mit den Langobarden nach Italien, kehren aber schon bald wieder zurück, worauf es zum Streit mit den in die ehemals sächsischen Wohnsitze angesiedelten Sueben kommt.
  • Ab 596 werden die britischen Sachsen zum Christentum bekehrt. Die Festlands-Sachsen bleiben bei ihrem alten Glauben.
  • Vermutlich im 6. Jahrhundert Gründung des Königreiches Wessex (= West-Sachsen).
  • Im 7. Jahrhundert beginnen die Sachsen, Herzöge zu wählen, angeblich zunächst nur in Kriegszeiten. Diese Verwaltungshierarchie könnte aber durchaus auch auf eine fränkische Oberherrschaft hindeuten, da die Bezeichnungen der Herzöge ausschließlich in fränkischen Quellen überliefert sind. Die wahrscheinlich fränkischen Herzöge versuchen immer mehr Autonomie zu erlangen und stellten sich an die Spitze des Widerstandes gegen die unter den Pippiniden ausgerufene Christianisierung aller Landesteile, so auch der der Sachsen.
  • 738: erster Versuch der festeren Unterwerfung unter die fränkische Krone durch Pippin den Jüngeren
  • 772 bis 804: Der Versuch der Einführung des Christentums in die größtenteils schon abhängigen Gebiete führte zu den mehr als dreißig Jahre dauernden Sachsenkriegen Karls des Großen
  • 772 Eroberung der sächsischen Eresburg und Zerstörung des wichtigsten religiösen Zentrums der sächsischen Religion, der Irminsul. Der alte Glaube wird von den christlichen Okkupatoren als Heidentum betrachtet.
  • 775 Zweiter Feldzug der Franken. Eroberung der strategisch wichtigen sächsischen Sigiburg hoch über der Ruhr.
  • 777 beruft Karl eine erste fränkische Reichsversammlung in Paderborn ein, mitten im Land der vermeintlich besiegten Sachsen. Doch das gescheiterte Engagement Karls in Spanien lässt die Sachsen ihren Unabhängigkeitskampf unter der Führung Herzog Widukinds wiederaufnehmen.
  • 785: Die Taufe des sächsischen Herzog Widukind leitet die Christianisierung der Sachsen ein.
  • 794 Entscheidende Schlacht auf dem Sintfeld.
  • 799 findet erneut eine Reichsversammlung in Paderborn als Machtdemonstration statt. Die Sachsen sind endgültig besiegt.
  • 804: Eingliederung der Sachsen in das Reich Karls des Großen
  • 811 einigt sich Karl mit dem dänischen König auf die Eider als Grenzfluss.
  • Im 9. Jhdt Bildung des Herzogtums Sachsen, bestehend aus den Teilen Engern, Westfalen, Ostfalen und Nordalbingien.

Mit Heinrich I. wurde 919 ein sächsischer Herzog deutscher König. Ihm folgten die ersten deutschen Kaiser Otto der Große, Otto II. und Otto III. Die Epoche der Kaiser aus dem Hause der Liudolfinger endete mit dem Tod Heinrichs II. 1024. Während dieses Jahrhunderts lag der politische und kulturelle Schwerpunkt des Reichs im Gebiet der Sachsen.

Nach der Achtserklärung Heinrichs des Löwen 1180, wegen dessen Weigerung dem Kaiser Friedrich Barbarossa Heerfolge nach Italien zu leisten, zerschlug der Kaiser das alte Herzogtum Sachsen. Westfalen wurde in kirchlichen Besitz übergeben, Heinrich dem Löwen blieben Braunschweig und Lüneburg, die Fürsten und Bischöfe wurden für reichsunmittelbar erklärt, der Name Herzogtum Sachsen haftete nur noch einem kleinen Landesteil an der Elbe an.

Am 6. Januar 1423 wurde dieser Teil dem Markgrafen von Meißen, Friedrich dem Streitbaren verliehen. Da der Herzogtitel die höhere Würde besaß, führte dieser von nun an den Titel „Herzog von Sachsen“, wodurch der heutige Freistaat Sachsen seine Bezeichnung bekam. Deren Bewohner gehören ursprünglich zum germanischen Volksstamm der Thüringer. Dieses neue Herzogtum Sachsen wurde danach lange als Obersachsen bezeichnet, das Land mit dem Volksstamm der Sachsen als Niedersachsen. Letztere Bezeichnung wurde bei der Auflösung Preußens nach dem Zweiten Weltkrieg als Name des heutigen Bundeslandes wiederbelebt.

Sprachen

  1. Die niedersächsischen Sachsen sprachen Altniederdeutsch (Altsächsisch), siehe auch Niedersächsische Sprache. Ihre Sprache bildete als Angelsächsisch die Grundlage des Englischen und stand in seinen früheren Entwicklungsstufen dem Altenglischen teilweise näher als dem Althochdeutschen. Davon kann nach den massiven Veränderungen, die das Altenglische/Angelsächsische besonders nach dem Einfall der Normannen in England durchmachte, allerdings keine Rede mehr sein.
  2. Dementsprechend wird auch heute in Schleswig-Holstein und den nördlichen Teilen des Bundeslandes Niedersachsen (neben Hochdeutsch) nordniedersächsisch gesprochen. In Westfalen (Westfälisch), den südlichen Gebieten Niedersachsens (Ostfälisch), Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und im Norden von Sachsen-Anhalt werden ähnliche Dialekte gesprochen, die insgesamt zur Niederdeutschen Sprache zusammengefasst werden können.
  3. Der heute umgangssprachlich als „Sächsisch“ bezeichnete Dialekt Obersachsens (Kursachsen), des heutigen Bundeslandes Sachsen, Ost-Thüringen sowie des südlichen Sachsen-Anhalts, ist dagegen eine Untergruppe der Ostmitteldeutschen Sprache und gehört zur Thüringisch-Obersächsischen Dialektgruppe der hochdeutschen Sprachen.

Literaturhinweise

  • Bremer Archäologische Blätter, Beiheft 2/2000 zur gleichnamigen Ausstellung im Focke-Museum: „Siedler, Söldner und Piraten“, Chauken und Sachsen im Bremer Raum, © Der Landesarchäologe Bremen, ISSN 0068-0907.
  • Torsten Capelle: Die Sachsen des frühen Mittelalters. Theiss, Stuttgart 1998, ISBN 3-8062138-4-4 <a href="javascript:Pick it!ISBN: 3-8062138-4-4"><img style="border: 0px none ;" src="http://www.citavi.com/marctest/FindIt.bmp" alt="Pick It!" title='Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen'></a> .
  • Wilhelm Gebers: Auf dem Weg nach Walhall – Die Pferde der Altsachsen – Begleiter in Leben und Tod. Industrie-Museum Lohne. Lohne 2004, ISBN 3-9808151-8-8 <a href="javascript:Pick it!ISBN: 3-9808151-8-8"><img style="border: 0px none ;" src="http://www.citavi.com/marctest/FindIt.bmp" alt="Pick It!" title='Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen'></a> , auch Vorlage:Falsche ISBN.
  • Hans-Jürgen Häßler: Niedersachsens frühe Bevölkerung: Die Altsachsen der spätrömischen Kaiserzeit und des frühen Mittelalters'. Hannover 2004, ISBN 3-8999509-4-1.
  • Matthias Springer: Die Sachsen. Kohlhammer, Stuttgart 2004, ISBN 3-17-016588-7.

siehe auch: Literaturhinweise auf sachsengeschichte.de

Referenzen

ISBN: 3-8999509-4-1">

Weblinks


Referenzfehler: Es sind <ref>-Tags vorhanden, jedoch wurde kein <references />-Tag gefunden.