Rauhnächte

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Die Rauhnächte (oder Rauchnächte, in neuer Rechtschreibung Raunächte; auch Zwölf Nächte, Zwölfte; Unternächte) sind die Zeit zwischen Weihnachten (25. Dezember) und Hochneujahr (6. Dezember), oder insbesonedere die Nächte dieser "zwölf Weihnachtstage".

Die Bezeichnung Rauhnächte ist nicht ganz geklärt. Meist wird sie von mhd. rûch "haarig; pelzig" hergeleitet, was auf das Umgehen "haariger" Dämonen (bzw. entsprechenden Masken-Umzügen) während dieser Nächte verweisen soll. Alternativ wird sie von Rauch abgeleitet, nach dem Weihrauch mit dem in dieser Zeit die Ställe gesegnet wurden.[1] Unternächte (mhd. undernaht im Sinn von Zwischennächte, "Nächte zwischen den Jahren") überlebt dialektal im Baierischen und Österreichischen.

Eine grosse Menge an Brauchtum ist im Zusammenhang mit dieser Zeit überliefert. Dazu gehören alle Neujahrsbräuche, die Wilde Jagd und andere Formen des Glaubens an das Umgehen der Geister der Toten, Masken-Bräuche, usw. Von besonderer Wichtigkeit scheint die letzte der zwölf Nächte zu sein, die Zwölfte (engl. Twelfth Night, schon altenglisch im 9. Jh. als tuelftan niht), der Abschluss und Höhepunkt der Rauhnächte, mit allen damit zusammenhängenden Bräuchen des Dreikönigstags.

Sommer (1846), Sagen: märchen und gebräuche aus Sachsen und Thüringen, p. 162:

In den zwölf Nächten, welche in einzelnen Dörfern, wie in Beesen bei Halle, die krummen Tage heißen, spinnt man nicht, weil sonst Frau Holle oder Frau Harre kommt und den Rocken verunreinigt, oder weil man, wie in der Fastnacht, Zank und Ungeziefer in das Haus und Kröpel in den Stall zu spinnen meint.

Spamer (1863), Das festliche jahr: in sitten, gebräuchen und festen der germanischen völker, p. 369:

Der tyroler Bauernkalender giebt vier Nächte (am 6., 26. und 31. December und 6. Januar) als Hauptrauhnächte an, in Oberösterreich hält man ausser der Thomasnacht die Mettennacht (24. December) und die Nacht vor den drei Königen (6. Januar) dafür, die Sylvesternacht (31. December) aber von geringerer Bedeutung, und in Steyermark bleibt man die Christancht, Neujahrsnacht und die Nacht des Dreikönigstages auf, um Zimmer und Ställe mit Weihwasser zu besprengen und mit Weihrauch zu durchräuchern, weshalb diese Nächte auch Rauch- oder Rauhnächte genannt werden.

Zahlreiche Verbote des klassischen Aberglaubens beziehen sich auf diese Zeit, z.B. in den undernahten trait man nicht reitter [=Siebe] uber den hof (14./15. Jh., nach Grimm Wörterbuch s.v. "Unternacht"). Oft wird dieser Zeit auch Voraussagekraft über das kommende Jahr zugeschrieben, etwa sollen die Träume aus jeder dieser Nächte das Geschehen der entsprechenden Monate im kommenden Jahr entsprechen, oder das Wetter an jedem der Zwölf Tage das Wetter des entsprechenden Monats im kommenden Jahr vorwegnehmen. Wegen dieser divinatorischen Eigenschaften heissen die Zwölf Tage auch Lostage.[2]

Anmerkungen

  1. diese Assoziation datiert mindestens auf das 16. Jh.: Die zwolff naecht zwischen Weihenacht und Heyligen drey Künig tag ist kein hauß das nit all tag weiroch rauch in yr herberg mache / für alle teüfel gespenst vnd zauberey Sebastian Franck (1534), zitiert nach Vera Jung Körperlust und Disziplin: Studien zur Fest- und Tanzkultur im 16. und 17. Jahrhundert (2001).
  2. z.B. Wolfgang Menzel, Deutsche Dichtung von der ältesten bis auf die neueste Zeit (1858) p. 140; Heinrich von Zimburg, Der Perchtenlauf in der Gastein (1947), p. 3. Vgl. auch 8ung.info (26. 12. 2011), jahreskreis.info (o. J.), theology.de (o. J.), usw.

Siehe auch