Opfermoor Oberdorla

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Das Opfermoor bei Niederdorla mit stilisierter Göttergestalt
Das Opfermoor bei Niederdorla mit stilisierter Göttergestalt

Im Opfermoor von Oberdorla in Nordthüringen, das spätestens im 6. Jh. v. u. Z. eingerichtet wurde und bis in das 11 Jh. n. u. Z. im Gebrauch war, wurde neben vielen kleinen Holzklotzidolen aus der älteren Eisenzeit ein großes weibliches Idol mit einem bronzenen Halsreif als Opfergabe aufgefunden sowie mehrere Ältäre aus Ruten (teils in Schiffform) und Steinsetzungen.
Im benachbarten Opfermoor von Possendorf bei Weimar (Thüringen; 1. Jh. v. u. Z.) wurde ein Pfahlidol mit Frauenkopf und angesteckten, erhobenen Armen gefunden.

Das Opfermoor in der Vogtei liegt auf der Gemarkung von Oberdorla, aber nur etwa 200 m entfernt vom nördlichen Ortsrand von Niederdorla. Es ist eine ehemalige, durch umfangreiche Ausgrabungen belegte, frühgeschichtliche Kultstätte in einem flachen See nördlich von Niederdorla im Unstrut-Hainich-Kreis. Die kultische Nutzung des Sees begann in der Hallstattzeit im 6. Jahrhundert v. d. Z. und wurde noch lange nach der Chrisitanisierung noch vereinzelt bis ins 11. und 12. Jahrhundert n. d. Z. weitergeführt.

Bei der Senke handelt es sich um eine Auslaugungssenke des Mittleren Muschelkalks, in der sich Grundwasser sammelte und sich ein Sumpf und offene Wasserflächen von etwa 700 m × 200 m bildeten. Der Flachsee verlandete und vermoorte. Aus den abgelagerten Sedimenten und Torfen konnte der Beginn der Verlandung mit 100 v. d. Z. angegeben werden. Die Torfe wurden ab 1947 abgebaut und der See auf die heutige Größe und Form vergrößert. Im Zuge des Torfabbaus stieß man auch auf die vorgeschichtlichen Hinterlassenschaften.

Die unter Günther Behm-Blancke, dem Direktor des Museums für Ur- und Frühgeschichte Thüringens in Weimar, durchgeführten Grabungen erbrachten Funde kreisförmiger Zaunanlagen aus Haselruten, in deren Zentren sich Altäre, Kultstangen und Göttergestalten, sogenannte Pfahlgötzen, befanden. Die Grabungen führten des Weiteren zahlreiche Knochen von Pferden, Rindern, Schafen, Ziegen, aber auch Menschen sowie Waffen, ein Kultboot und verschiedene Alltagsgegenstände und -werkzeuge zu Tage. Es ist von Tier- und Menschenopfern auszugehen. Dem Seeheiligtum wird überregionale Bedeutung zugewiesen, da die Funde keinem speziellen Stamm zugeordnet werden konnten, sondern aus allen Teilen des damaligen Germanien stammen. Im 1. Jh. v. Chr. gründeten Hermunduren im Opfermoor ein Rundheiligtum, das zur Völkerwanderungszeit ein großes Zentralheiligtum war. Unweit des Opfermoors, und zwar im sogenannten Mahllindenfeld, wurde die größte prähistorische Siewdlung Thüringens durch Ausgrabungsbefunde gesichert. Diese dienten der späteren Rekonstruktion im Museumsdorf als Vorbild.

Altar Oberdorla am Opfermoor
Altar Oberdorla am Opfermoor
Götterstele bei Oberdorla am Opfermoor
Götterstele bei Oberdorla am Opfermoor

Die archäologischen Funde sind zum Teil im Opfermoor-Museum, einem Museumsbau am Nordrand von Niederdorla der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Opfermoor selbst liegt auf der Gemarkung von Oberdorla, das einen Kilometer westlich davon liegt. Im Süden grenzt der Mittelpunkt Deutschlands direkt an, der als Kreuzungspunkt der in den vier Himmelsrichtungen am weitesten entfernten Grenzpunkte Deutschlands ermittelt wurde. Ein germanisches Dorf aus dem 3. Jahrhundert n. d. Z. aus zwei Grubenhäusern und einem Speicher wurde am Westrand des Opfermoors rekonstruiert. Dort findet alljährlich das Römerfest statt, das zahlreiche Römer- und Germanen-Darsteller in historischer Kleidung anlockt, die damaliges Alltagsleben erlebbar machen.

Literatur

  • Günter Behm-Blancke: Kultplätze und Religion. In: Archäologie der DDR. Band 1, Urania Verlag, 1989
  • Günter Behm-Blancke: Heiligtümer der Germanen und ihrer Vorgänger in Thüringen - die Kultstätte Oberdorla. Theiss, Stuttgart 2002/2003

Weblinks

  • http://www.opfermoor.de/ Zweckverband Mittelpunkt Deutschlands und Förderkreis zur Unterstützung der Kultstätte Opfermoor Vogtei
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