Lodur

Lodur ist ein in der "älteren" Edda (Snorris Gylfaginning), und ein nur in der Voluspa als Teil einer Triade genannter Gott. Abgesehen von dieser Stelle finden sich keine direkten Quellenangaben zu Lodur. Man kann allerdings nicht davon ausgehen, dass er mit dem der Snorra Edda identisch ist. Odin ging zusammen mit Lodur und Hönir am Strand entlang, dort fanden sie zwei Baumstämme (Ask und Embla), "ledig der Kraft" (Felix Genzmer). Diesen Bäumen gaben sie die menschlichen Eigenschaften: Seele, Verstand und (vermutl.) die Sinne.


"Gingen da dreie aus dieser Versammlung,

Mächtige, milde Asen zumal, Fanden am Ufer unmächtig

Ask und Embla und ohne Bestimmung.

Besaßen nicht Seele, und Sinn noch nicht,

Nicht Blut noch Bewegung, noch blühende Farbe.

Seele gab Odin, Hönir gab Sinn,

Blut gab Lodur und blühende Farbe"

(Vsp. 16/17, nach Simrock


Während die Trias Odin, Wili und Ve in der Snorra Edda den Urriesen Ymir töten und die Welt einrichten, verleiht die Trias Odin Hoenir und Lodur in der Liederedda (Voluspa, oben) den Bäumen Ask und Embla die menschlichen Eigenschaften.

Die völlig andere Aufgabe scheint wesentlicher zu sein als der Umstand das die Götter den gleichen Vater (Buri) besitzen; es muß nicht zwangsläufig bedeuten das Lodur Ve und Hoenir Wili entspricht. (vgl. hierzu auch die Bedeutung Ve, Vili und Hoenir). Denkbar ist, das Snorri von einer Göttertrias mit Odin als einem Teil wusste und sie in Zusammenhang mit Buri brachte. Göttertriaden sind nicht selten und finden sich bspw. auch bei den Nornen, Matronen, oder im Kult mit Odin, Frey, Thor.

Manche Edda-Forscher gehen davon aus, das Lodur und Loki identisch sind, diese Theorie stützt sich vor allem darauf das in der SnE. und in der Voluspa jeweils die drei Götter den gleichen riesischen Vater besitzen. Sie wird bestätigt durch die Triade Odin-Hönir-Loki in der färöischen Ballade Lokka Tattur.

Eine andere Theorie sieht in Lodur eine eine Entsprechung von Frey, die sich auch auf eine Namensdeutung mit Bezug zu Wachsen und Fruchtbarkeit stützt.

Eine Synthese all dieser Entsprechungen ist die Deutung Lodurs als personifizierte Urkraft eines Weltfeuers (siehe: Urfeuer), das für Bewegung und Wachstum verantwortlich ist, und sich später in konkreteren Formen von Frey und Loki manifestiert. Die anderen Teile der Triade (Odin und Hönir) verkörpern dabei die Luft und das Wasser.

Siehe auch

Germanische Schöpfungsgeschichte