Liste der Beinamen Odins

Die Liste der Beinamen Odins enthält die Namen, die in der Edda und anderen Sagen und Dichtungen für den germanischen Hauptgott verwendet werden.

Die weitaus meisten Kenninge für Odin (etwa 3/4) stammen aus der Grimnismal, einige aus der Havamal und einige aus der wohl späteren Gylfaginning aus Snorris Prosaedda, neben wenigen Nennungen von Beinamen in weiteren Edda-Quellen.

Desweiteren existieren in vielen späten Volkssagen verschiedene Namen für Odin/Wotan oder die mit Sicherheit auf ihn zurückgehenden Sagengestalten wie den Wilden Jäger oder den Schimmelreiter, die meist regionalen Umfang haben. Diese sind aber nur bedingt als Beinamen zu bezeichnen, da sie sich nicht mit letztendlicher Sicherheit auf Odin/Wotan beziehen, sondern auch auf andere Persönlichkeiten oder Sagengestalten wie etwa Dietrich von Bern.

Aufgrund der häufigen Belege des Namens gibt es außerdem eine Vielzahl von Aussprech- und Schreibvarianten. Sie sind sowohl sprachgeschichtlich als auch für die direkte Zuordnung der Namen bedeutsam. Je nach Dialekt entfällt das "W" vor dem Namen oder kann durch ein "M" oder "G" ersetzt werden. Die Schreibweise mit "G", für die es zahlreiche Beispiele gibt, ist eher als weitverbreiterer Beiname zu betrachten, der dem Grundnamen allerdings sehr ähnlich ist (etwa Godan und Wodan).

Siehe zum besseren Verständnis auch: GebräuchlicheAbkürzungen

Eddische Beinamen

Name Bedeutung Fundstelle Anmerkung
Alföðr Allvater Gylfaginning 14, Völuspá 1
Atriðr Angreifer Grímnismal 48
Báleygr der mit den flammenden Augen Grímnismal 47
Bileygr der schlecht Sehende Grimnismal 47
Biflindi der mit dem bemalten Schild Grimnismal 49
Bifliði der die Heere zittern macht Gylfaginning 2
Bölverkr der Übelstifter Grimnismal 47
Farmatýr Gott der Last Grimnismal 48 Entspricht, interpretiert als "Gott der Lasten (Warenhandel)", der Gleichsetzung Odins mit Mercur in der 'Interpretatio Romana'. Otto Höfler bringt den Namen in Zusammenhang mit Schiffen die Lasten beförderten.
Fimbulþulr mächtiger, gewaltiger Redner/mächtiger Weiser Havamal 80 und 142 vgl.: Thul
Fimbultýr gewaltiger Gott; Voluspa 60 "fimbul" = gewaltig, "tyr"= Gott; der Einzelname Tyr konnte als Gattungsname jeden beliebigen Gott bezeichnen. Hier als Kenning für Odin verwendet.
Fjölnir der viel Wissende Grimnismal 47, Reginsmal 18, Gylfaginning 2 und 19
Fjölsviðr der sehr Weise Grimnismal 47
Gangleri der vom Gehen Müde Grimnismal 46
Gagnráðr der Entgegen-Rater Vafdrudnismal 8ff
Gautatýr Göten-Gott Hakonarmal 1 um 960 entstandenes Werk Eyvindr Finnsons
Gautr Götländer Grimnismal 54 vgl.: Goten
Glapsviðr der geübte Verführer Grimnismal 47
Grímnir der Maskierte Grimnismal 47, 49 bezieht sich auf seine Verkleidung in der Grímnismal
Grímr siehe oben Grimnismal 46f
Göndlir der Zauberer Grimnismal 49
Hangatýr (Hangagud) Hänge-Gott Reflexion auf Havamal 138, und bei den Skalden bezieht sich auf sein Selbstopfer in Odins Runenlied.
Hár der Hohe Havamal 109, 111, 164
Hárbarðr Graubart Grimnismal 49 von hárr = grauhaarig
Hárr der Graue Grimnismal 46 könnte auch der Große, der Ruhmreiche bedeuten
Herblindi der das feindliche Heer Blendende Grimnismal46 „nicht Helblindi“
Herföðr Heervater Voluspa 29 Vsp 43, Grm 19, 25, 26 Vm 2, Hyndluljóð 2 häufiger Herjaföðr
Herjann Führer des wütenden Heeres bzw. Heerführer Voluspa 30, Grimnismal 46, Guðrúnarkviða 19
Herteitr der Heer-Frohe Grimnismal 47
Hjálmberi Helmträger Grimnismal 46; Odin mit dem Goldhelm: [[Gylfaginning] 51, Skaldskarpamal 17
Hjarrandi von hjarri, was bewegen, springen, aufhängen bedeuten kann Bragi gamli Boddasons Ragnarrsdrápa 11 Bedeutung nicht klar und gesichert
Hnikarr Aufhetzer Grimnismal 47, Reginsmal 18 und 19
Hnikuðr siehe oben Grimnismal 48
Hrafnaguð Rabengott nur Gylfaginning 37
Hroptatýr evtl. von altnord. hróp (Verleumdung, Gerücht, Ruf, Schrei) bedeutet Grm 54, Háv 160 vgl.: Grimnismal, vgl. Tyr, Anspielung auf Odin als Gott der Magie, der z.b. als Kriegs- und Schlachtengott die Gegner verblendet.
Jafnhárr der ebenso Hohe Grimnismal 48
Jalkr Wallach Grm 49 und 54 vgl.: Grimnismal
Kjalarr Schlittenfahrer Grimnismal 49
Miðvitnis Konjunktion der Wörter mið (Mitte, mit) und viti (Verstand, Wissen) = der Mitwisser laut Grm 50 ein Name Odins, nicht eines Riesen Laut Simek alternativ Meerwolf oder Wolf der Mitte (Lexikon der germanischen Mythologie)
Ófnir der Aufhetzer ? von ófa was Streitbarkeit ? bedeutet Grimnismal 54
Ómi der Lärmer Grimnismal 49
Óskí der Wunscherfüller Grimnismal 49
Saðr der Wahre Grimnismal 47
Sanngetall der die Wahrheit Erratende Grimnismal 47
Síðskeggr Langbart Grimnismal 47
Sidgrani „der mit langem Schnauzbart“ Alvíssmál
Síðhöttr Langhut Grimnismal 47
Sígtýr Kampf- oder Sieggott (Pl. von sigtívar) Grm 45, Vsp 44 und 49 vgl.: Grimnismal, vgl, Tyr
Sigvaðir Kampfvater oder wahrscheinlicher Siegvater Voluspa 55, Ls 58
Sigföðr siehe oben Grimnismal 48
Skilfingr der auf einem Berg oder Felsen Wohnende Grimnismal 54
Sváfnir der in den Schlaf (Tod?) versetzt Grimnismal 54
Sviðrir von sviða (Speer) möglicherweise Speergott Grimnismal 50, auch Gylfaginning 2 und 19 sviða kann auch erhitzen oder sieden bedeuten, was wiederum auf eine schamanische Praxis hindeuten könnte
Sviðr oder Sviðurr siehe oben Grimnismal 50
Svipall veränderlich Grimnismal 47 bezieht sich auf seine Vielgestalt, bzw. auch auf die häufig wechselnden Namen
Þekkr der Beliebte Grimnismal 46
Þriði der Dritte Grimnismal 46 und der Gylfaginning Odin zusammen mit Hárr und Jafnhárr als Göttertrias
Þror Angreifer, eher aber der Gedeihliche Grimnismal 49
Þuðr der Mächtige? Grimnismal 21, 46, 54 Bedeutung nicht gesichert
Þundr siehe oben
Uðr der Gönner Grimnismal 46
Vakr der Tüchtige Grimnismal 54
Valföðr Vater der Erschlagenen = Walvater Grimnismal 48 und Vsp 1
Váfuðr Wind Grimnismal 54
Yggr oder Yggir der Schreckliche Havamal 3, Grm 53 u. 54, Vm 5, Hym 2, Fm 43

Zusätzliche Namen in den Kenningar

Name Bedeutung
Dresvarpr  ?
Ennibrattr schroffe Stirn
Fjallgeiguðr  ? Fjall bedeutet Fels/Berg, oder auch Fell/Haut
Gapþrosnir  ?
Geiguðr am Galgen Baumelnder
Gollnir wie Gollor
Gollor der Goldene, der Glänzende
Hleifruðr  ?
Hléfreyr Herr des Schutzes
Hrami Reißer
Hrjóðr Vernichter
Hvatmóðr der zur Aufhetzung strebt
Jolfuðr Bär
Lọndungr  ?
Rọgnir der Zänker, der Streiter
Sigðir Schwert/Sense; Schwertträger oder Sensenmann
Skollvaldr Mächtiger Sonnenwolf
Viðrimnir der weit Umzäunte
Yjungr, Yggjungr Nachkomme des Gottes Yggr, König oder Fürst


Namen des Wilden Jägers oder anderer ähnlicher Gestalten

-> Hauptartikel: Wilder Jäger

Duewel, Boeser, Beelzebub, Dråk, Alf, Rôdjäckter sind "dämonische" Namen des Wilden Jägers.

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Name Herkunft Region Deutung
Wilder Jäger überregional überregional  
Schimmelreiter überregional überregional  
Knecht Ruprecht überregional überregional Begleiter des Weihnachtsmanns
Wilder Jäger überregional überregional  
Godan Langobardensage von Paulus Diaconus Ostgermanen  
Hackelberg (Håkelbârch) bei Grimmen und Demmin    
Graf von Ebernburg Kreis Randow    
Ewiger Jäger Winendeal    
Pan Dietrich Lausitz Ostdeutschland Anspielung auf Pan oder Dietrich von Bern
wilder Ruprecht Hutberg   Begleiter des Weihnachtsmanns
Dürstengejeg Schweiz Alemannen Jäger der Dürsen (Riesen)
Schlapphut Urselentälchen, Schwaben Alemannen  
Hollojäger Marbach, Neckar Alemannen  
Postmichel Esslingen, Neckar Alemannen  
Grüner Jäger Sauhagener Wald, Schwaben Alemannen  
       


Mundartliche Namen in den germanischen Dialekten:

Skandinavische Varianten

Der in der Edda erwähnte Oðr, den Freyja beweint, wird dort trotz dem weitgehend übereinstimmenden Namen und dem typischen Wandermotiv nicht mit Odin in Verbindung gebracht. Hier ist möglicherweise ein alter Wodan-Frija-Mythos auf Oðr und Freyja übertragen worden.

Großbritannien

Die angelsächsische Tradition kennt Geat als Ahnherr der Königsfamilien. Diese leiten sich zwar alle von Woden ab, doch Woden ist selbst ein Abkömmling Geats, der wiederum in einigen Genealogien als Nachfahre von Sceaf gilt. Der keltische Geschichtsschreiber Nennius bemerkt zu diesem Namen, dass die Heiden Geat als Gott verehrt haben und dass von ihm das Königtum herstamme. Der christliche König Alfred bezeichnet diesen Gott dagegen als „komödienhafte Gottheit“; ein deutlicher Hinweis, dass Geat sich großer Beliebtheit erfreute. In diese Richtung weist auch das Klagelied des Sängers Deor, der die unglückliche Liebschaft von Geat zu Mæðhilde besingt.

Die sächsische Stammsage kennt dagegen einen Helden Hathagat ‚Kampf-Gaut‘. Widukind von Corvey beschreibt ihn in seiner Res gestae Saxonicae als „bereits älteren Krieger, trotz fortgeschrittenen Alters noch kräftig, der zum Lohne hervorragender Tugenden Vater der Väter genannt wurde“. Hathagat ergriff, als die Sachsen zu fliehen drohten, die sächsische Standarte und äußerte, dass er als Greis zwar kämpfen, aber nicht fliehen könne. So ermutigt, gewannen die Sachsen die Schlacht gegen die Thüringer. Hier schimmert noch deutlich die Gestalt des kämpferischen Ahnengottes durch.

Osteuropa

Die Langobardensage erwähnt Godan mit seiner Frau Frea

Die isländische Saga Bósa saga ok Herrauðs bezeichnet den Stammvater des götländischen Königsgeschlechts, Gautr, als Sohn Odins. In der Namensform Gapt erscheint er bei Jordanes als Stammvater der ostgotischen Amaler und somit der – nicht nur durch die Heldensagen – berühmten Könige Ermanarich und Theoderich der Große alias Dietrich von Bern. Die Namensform Gapt wird dabei erklärt als Verschreibung für Gaut.

Bei den Langobarden lautet der latinisierte Name Gausus. Er wird dort als Stammvater des Königs Audoin und dessen Sohn Alboin bezeichnet.


Nord- und Ostsee

Nordvorpommern: Wôde, Waur, Waul, Gauden, Gauren, Gode (Frauengestalt)

Usedom-Wollin: Waud

Kreis Demmin: Waurke, Wôdke, Gaur

Naugard: Wôd

Fürstentum: Wôtk

Neustettin: Wûid, Wôd

Oberdeutschland und Alpenraum

Bayern: Waudlgaul (Name für sein Pferd)

Schwaben: Wuotisheer oder Muotisheer (Die Wilde Jagd)

Schweiz: Ute (Frauengestalt)