Italiker

(Weitergeleitet von Latein)

Die Italiker sind die seit der frühen Eisenzeit in Italien heimischen Sprecher eines Zweigs der indogermanischen Sprachfamilie, der Italischen Sprachen. Die eisenzeitlichen Italiker zerfielen in zwei Hauptgruppen, die latino-faliskische (Latiner und Falisker) und die oskisch-umbrische (Osker, Umbrer und Samniten). In der früheren Eisenzeit blieb Norditalien von den nicht-indogermanischen Etruskern dominiert, sowie (im Alpenraum) von Rätiern, Liguriern, Venetiern und Kelten (Lepontier). Die italischen Völker besiedelten das mittlere Italien, im Süden siedelten Messapier und Griechen.

Die Einwanderung indogermanischer Stämme in die italische Halbinsel verlief vermutlich während der späteren Bronzezeit (um rund 1000 v. Chr.) aus dem Norden. Die Italiker werden so von einer früheren bronzezeitlichen "Italo-Keltischen" Kultur geschieden, von der auch die Kelten abstammen. Nach der klassischen Sicht (Luigi Pigorini 1862) wanderten die ersten Indogermanen bereits in der Mittleren Bronzezeit nach Italien (um 1700 v. Chr.), identifiziert als Träger der Terramare-Kultur, möglicherweise die Vorfahren der historischen Ligurier. Die eigentlichen Ur-Italiker wanderten wohl später, ab etwa 900 v. Chr., ein, als Träger der Villanova-Kultur. Die Italo-Keltische Kultur hängt vermutlich mit der archäologischen Urnenfeld-Kultur nördlich der Alpen zusammen, und die Villanova-Kultur lässt sich archäologisch als Abkömmling der Urnenfeld-Kultur einordnen.

Die Terramare-Kultur zeigt Erdbestattungen, während die Träger der Villanova-Kultur ihre Toten kremierten (wie auch die Träger der Urnenfeld-Kultur). Die historischen Italiker betrieben beide Arten der Totenbestattung, so dass es naheliegt, dass sie kulturell auf eine Vermischung der beiden bronzezeitlichen Kulturen Norditaliens zurückgehen.

Die frühen Italiker treten dann, während des 8. und 7. Jh., in Kontakt mit den eisenzeitlichen Kulturen des Mittelmeers, namentlich den Griechen und den Phöniziern, von welchen sie auch die Alphabetschrift übernehmen. Die Gründung Roms datiert auf das 8. Jh.

Seit dem 4. Jh. unterwarfen die Römer die übrigen Italiker, und im 3. Jh. schliesslich die ganze Halbinsel. In der Folge dominierte Latein, die Sprache von Latium und Rom, und alle anderen einheimischen Sprachen Italiens starben unter dem Römischen Reich aus (genauso wie später auch die keltischen Sprachen des Kontinents). Bereits vor der Zeitenwende waren sie stark marginalisiert, überlebten aber wahrscheinlich in den meisten Fällen bis ins 1. Jh. n. Chr. Von Etruskisch weiss man, dass es noch im 1. Jh. v. Chr. von antiquarisch interessierten Römern studiert wurde. Die letzte bekannte Person, die des Etruskischen mächtig war, war der römische Kaiser Claudius (gestorben im Jahr 54).

Die heutigen Sprecher von Sprachen, die von Latein abstammen, nennt man Romanen (nach den Römern, lat. romani), in Übersee (in den ehemaligen Kolonien Spaniens und Portugals) auch Latinos (lat. latini). Die Romanischen Sprachen bildeten sich im Mittelalter als Dialektkontinuum im Gebiet des ehemaligen Weströmischen Reiches heraus, d.h. in der Iberischen Halbinsel, in Gallien und in Italien sowie in Dakien (Pannonien und der Balkan wurden im Frühmittelalter dagegen von den Magyaren bzw. Slawen besiedelt und verloren deshalb ihre romanischen Sprachen). Seit der frühen Neuzeit haben sich aus diesem Dialektkontinuum eine Reihe von Standartsprachen herausgebildet, Portugiesisch, Spanisch (Kastlisch), Französisch, Italienisch und Rumänisch, nebst den weniger standardisierten Okzitanisch (Katalanisch, Langue d'oc), Galizisch, Asturisch, Rätoromanisch. Spanisch und Portugiesisch haben sich seit dem Kolonialisums weiter diversifiziert (in Brasilianisch, Mexikanisch usw.)

Die Romanen bilden mit etwa 190 Millionen Menschen in Europa eine der drei grossen ethnolinguistischen Gruppen des Kontinents (neben den Slawen und den Germanen). Weltweit leben gar um die 800 Millionen Romanisch-Sprecher, die Mehrzahl in Lateinamerika.

Literatur

  • Massimo Pallottino, Storia della prima Italia. Rusconi Libri, Mailand 1984. Aus dem Italienischen übersetzt von Stephan Steingräber. als Italien vor der Römerzeit. Verlag C. H. Beck, München 1987, ISBN 3-406-32012-0.