Frigg

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Darstellung von John Charles Dollman (1851-1934)

Die nordische Göttin Frigg oder Frigga (niederdt. Fricke, Frecke oder Frick; dazu möglicherweise ahd. Frîja, langobardisch Frea) gehört zu den Asen. Ihr entsprechen in Süd- und Mitteldeutschland Perchta und Holle. Sie ist die Gattin Odins, die Mutter Balders und möglicherweise die Tochter Fjörgynns. [1] Ihr Wohnsitz in Asgard heisst Fensalir (Sumpfsäle).[2] Frigg weiss um das Schicksal aller Lebewesen, aber sie spricht nicht darüber. [3] Der Wochentag Freitag wurde nach ihr benannt, als man den römische Tagesnamen 'dies Veneris' mit dem althochdeutschen 'frîatac' übersetzte. [4] Sie ist die Schutzherrin der Familie, der Ehe und der Mutterschaft und wird um Hilfe bei Unfruchtbarkeit und unter der Geburt gebeten. [5] Eine wichtige Rolle spielt sie für die Ordnung im Haushalt, allen voran die Spinnstuben, wobei ihre eigenen Fäden mit den Wolken sowie dem Schicksal in Verbindung gebracht werden.


Etymologie

Die Wurzel des Namens Frigg entstammt wie altsächs. frī und altengl. frēo dem gemeingermanischen frijō, 'Frau' und ist verwandt mit dem altind. prīyā, 'Geliebte'. [6]

Mythologie

Als Frea tritt sie uns in der Historia gentis Langobardorum des Paulus Diaconus entgegen, die gegen Ende des 8. Jhdts. verfasst wurde. Dort verhilft sie ihren Schützlingen, den Winnilen, durch eine List zum Sieg über die Vandalen, indem sie Odin dazu bringt, ihnen einen Namen zu geben. Auch in der Grímnismál verschafft sich Frigg durch List einen Vorteil. [7] Im Zweiten Merseburger Zauberspruch wird uns der Name Frîja überliefert. Eine entscheidende Rolle spielt Frigg bei den Geschehnissen um den Tod ihres Sohnes Balder. [8] In der Völsunga Saga wird berichtet, wie König Rerir um Kinder für sich und seine Frau bittet. Frigg erhört ihn und bittet Odin um Hilfe, der Rerir einen Apfel bringen lässt, dessen Genuss Rerirs Frau schwanger werden lässt. [9] Snorri Sturlusson schreibt in der Ynglinga Saga, dass Frigg in Odins Abwesenheit mit seinen Brüdern Vili und Ve schläft. [10] Über Friggs Untreue gegenüber Odin spottet auch Loki. [11]

Verbindung zu anderen Göttinnen

Neben der Identifizierung von Holle und Perchta als lokale Beinamen zeigt Frigg auch viele Gemeinsamkeiten zu von ihr unterschiedenen Göttinnen aus demselben Sagenkreis. Durch die Namensähnlichkeit der althochdeutschen Frîja mit der Vanengöttin Freyja wurde sie mit dieser häufig in Verbindung gebracht oder identifiziert. Tatsächlich haben Frigg und Freyja einige Gemeinsamkeiten. So besitzen beide eine Falkengewand [12] und stehen in enger Beziehung zu Odin, wobei Frigg Odins Ehefrau ist, Freyja diesen offiziellen Status allerdings nicht innehat. Beide Göttinnen werden bei der Geburt um Hilfe gebeten. [13] Rudolf Simek schreibt, "dass sich Freyja erst in der Wikingerzeit als eigenständige Göttin aus einem Aspekt der Frigg losgelöst und dann vorwiegend literarisch weiterentwickelt hat. Dies würde auch das völlige Fehlen der Freyja in südgermanischen Quellen erklären." [14] Lynda C. Welch vermutet, dass Frigg und Freyja zwei Aspekte einer Göttinnentriade sind (Freyja: Jungfrau, Frigg: Mutter), deren dritter Aspekt möglicherweise Fjörgyn als Großmutter ist. [15] Diese Triade verkörpert lt. Welch eine 'Große Göttin des Nordens'. Beachte zu dieser Theorie aber, dass Fjörgynn als Maskulinum auch als Vater Friggs genannt wird, und etymologisch zum idg. Gewittergott Perkwunos gehört.

Brauchtum und Kult

Im Jahreskreis spielen die nordische Frigga, die fränkische Holle und die alpine Perchta vor allem in der Zeit der Raunächte, wo zwischen 21./24. Dezember und 2./6. Januar die Hausarbeit ruhen musste, eine große Rolle. Dort soll sie zur Erdoberfläche aufgestiegen sein, um nachzusehen, wer das Jahr über fleißig oder wer faul war. Daher wird sie heute auch mit der von Tacitus erwähnten Mythengestalt Nerthus in Verbindung gebracht.

Das Umgehen einer Hexengestalt um Neujahr oder in der Adventszeit ist im ganzen Alpenraum belegt, auch in Norditalien und in Slowenien, die Benennung als Perchta ist aber weitgehend beschränkt auf das austro-bavarische Gebiet (v.a. Land Salzburg und Oberbayern; Grimm verweist zusätzlich auf eine schwäbische Hildaberta bei Joachim Camerarius 1573; die Zusammenfassung von "Perchtensagen" aus dem ganzen Alpenraum bezieht sich auf die Identifikation der verwandten Figuren durch Sagensammler und nicht auf die Verwendung des Namens Percht selbst).


Hollenbräuche in Deutschland

Volkskundler berichten über Bräuche im Zusammenhang mit Frau Holle. So sollen früher insbesondere junge Frauen im Frau-Holle-Teich auf dem Hohen Meißner gebadet haben, wenn sie fruchtbar werden wollten. Dem Wasser dieses Teiches wurden auch Heilkräfte zugeschrieben. Gegen 1850 fand ein Schäfer in der Nähe des Holleteiches zwei Goldmünzen aus der römischen Kaiserzeit (1. Jahrhundert u.Z.). Ausgrabungen in der Nähe des Teiches im Jahr 1937 förderten Keramikscherben aus dem Mittelalter und aus früheren Zeiten zutage. Das kann darauf hindeuten, dass an diesem Teich der Frau Holle Opfer dargebracht wurden. [16]

Frau Holle wurde auf zahlreichen Bergen verehrt. Viele Sagen sind in der Region des Hohen Meißners in Osthessen überliefert. Der Frau-Holle-Teich soll unendlich tief und der Eingang zu ihrer Anderswelt sein, die auch im Märchen der Gebrüder Grimm beschrieben wurde.

Nach anderen Sagen segnet Frau Holle die grünenden Fluren im Frühjahr, indem sie über Felder und Wiesen schreitet, wodurch der Saft in die Pflanzen schießt und die Natur erwacht. Frau Holle soll auch den Menschen zahlreiche Kulturtechniken wie Spinnen und Weben gelehrt haben.

Der Holunder gilt als Pflanze, die besonders der Frau Holle geweiht ist. Nach einer Theorie stammt seine Bezeichnung Hollerbusch von ihrem Namen.

Jungen und Mädchen tanzten noch im 19. Jahrhunderts nachts in der Nähe des Hollelochs bei Schlitz und sangen folgendes Lied, von dem nur noch die erste Strophe bekannt ist:

Miameide – steht auf der Heide –
Hat ein grün’s Röcklein an.
Sitzen drei schöne Jungfern daran.
Die eine schaut nach vorne,
die andre in den Wind.
Das Weibsbild an dem Borne
hat viele, viele Kind.

Dieses Lied hat vermutlich vorchristliche Ursprünge. Der genaue Sinn ist nicht mehr feststellbar. (vgl. Karl Kollmann: Frau Holle und das Meißnerland, Heiligenstadt 2005, S. 131). Der Reim greift viele Motive der Hollevorstellung auf. Zum einen nimmt er Bezug auf die Rolle Holles als Mutter der Kinderseelen, zum anderen erinnern die drei erwähnten Frauen an die Matronen und Nornen (im Reim scheinbar mit dem Weib am Born -also Holle- identifiziert), offenbar schauen sie in Zukunft und Vergangenheit. Der Grüne Rock des Weibes erinnert an die grüne Erde in Sommer und Frühling. Der Begriff "Miameide" erinnert zudem an die altnordische "Mímameiðr", einen Namen des Weltenbaumes Yggdrasil.

Perchtenbräuche im Alpenraum

Perchta ist auch eine Schreckgestalt (Grimm: "kinderschreckendes scheusal"), deren Bild in die gängige Darstellung der Hexe einfloss. Bezeichnendes Merkmal der Perchta ist ihre überlange Nase (dargestellt im Inkunabeln-Druck von Hans Vintlers Pluemen der Tugent, Augsburg 1486; Vintler (ca. 1411) bezeichnet sie als Percht mit der langen Nas). Die grotesk lange Nase der Percht entwickelte sich in der modernen Volkskultur zum eigentlichen Vogelschnabel (Schnabelpercht). Ein weiteres Merkmal ist ein übergrosser, deformierter Fuss, weshalb sie auch Berhte mit dem fuoze (Berhta cum magno pede) genannt wird. Ferner ist Perchta auch mit Eisen assoziiert (eiserne Bertha), ihre Nase bzw. ihr Fuss wird gelegentlich als eisern bezeichnet.

Kinder wurden davon abgehalten, aus dem Haus zu gehen, indem man ihnen androhte, die Perchta würde ihnen den Bauch aufschlitzen ("Gastrotomie"). Es bestand der Brauch, der Perchta eine Mahlzeit hinzustellen (Perchtenbrot);[17] für Vernachlässigung rächte sich die Perchta ebenfalls durch Bauchaufschlitzen.

Im Land Salzburg verband sich der Name der Percht mit den alpinen Masken-Bräuchen, und in der Mehrzahl sind die Perchten die Züge vermummter Jünglinge (Perchtenlauf, Perchtenspringen). Dieser Bezug ist erst nachmittelalterlich (16. Jh.) nachweisbar.

Im 18. Jh. erscheint die Butzen-Bercht in Augsburg als rein "pädagogische" Schreckgestalt, die faulen Mädchen mit einer ganzen Reihe von Strafen droht, abgestuft von eklig bis blutrünstig:[18]

[...] so sollt ihr nicht entrinnen / meim alten Besenstiel, der Peitschen und der Ruth / womit ich schlagen will euch bis aufs rothe Blut / Ich will euch Händ und Füß kreuzweiß zusammenbinden / und werfen in den Koth, auch will ich euch anzünden / euer Zöpf und Haar, das Gesicht zerkratzen, und die Nas / abschneiden, und euch brav zerzausen: über das / all euer Dockenwerck [=Puppen] wegnehmen, und verbrennen / euer schönstes Sonntagskleid verschneiden und zertrennen / die Gunckel [=Spinnrocken] will ich so einfüllen voll mit Rotz / daß sie recht tropfnen soll, wann ihr als wie ein Klotz / zu lang im Bette flackt und schnarcht, so will ich haspeln / die Därme aus dem Bauch, ind ihn hernach mit Raspeln / und Hecheln füllen ein [... usw.]

Die schweizerische Sträggele (Luzern, Nidwalden, Zug, Aargau, Zürich[19]) ist ein weiblicher Dämon, der in der Adventszeit umgeht und faule Mädchen bestraft, teilweise begleitet von einem "lärmend[en] Umzug der Knabenschaft".

Quellen- und Literaturverweise

  1. Lokasenna 26, Skáldskaparmál 19
  2. Völuspá 33
  3. Lokasenna 29
  4. Simek, Rudolf: Lexikon der germanischen Mytholgie, Stuttgart 1995, Seite 115
  5. Völsunga Saga Kap. 2, Oddrúnargrátr 9
  6. Simek, a.a.O.
  7. Grímnismál, Prosa-Einleitung
  8. Gylfaginning 49
  9. Völsunga Saga Kap. 2
  10. Ynglinga Saga 3
  11. Lokasenna 26
  12. Simek, a.a.O.
  13. Oddrúnargrátr 9
  14. Simek, Rudolf: Religion und Mythologie der Germanen, Stuttgart 2003, Seite 159
  15. Welch, Lynda C.: Goddess of the North, Newburyport 2003, S. 170ff.
  16. vgl. Karl Kollmann: Frau Holle und das Meißnerland, Heiligenstadt 2005, S. 31, 38 und 41.
  17. Höfler, Die Gebäcke des Dreikönigstages, ZfV 1904, 257-278
  18. Die Butzen-Bercht (uni-frankfurt.de), Augspurg : Schmid seel. Erben, ca. 1750.
  19. "Bemerkenswert ist das im Wesentlichen geschlossene Verbreitungsgebiet mit der mittleren Reuss als Achse" Schweiz. Idiotikon, XI.2152, IV.658)

Literatur

  • Jacob Grimm: Deutsche Mythologie K. W. Schütz- Verlag, Coburg. ISBN 3-87725-133-1 (Überarbeiteter Reprint der Originalausgabe von 1943 nach dem Exemplar des Verlagsarchives)

Weblinks