Freyr

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Fro Ing (Freyr) mit seinem Eber Gulinborsti

Freyr (ahd. frô, älter frôjo, frouwo, gotisch frauja, ae. frēa) bedeutet Herr, im althochdeutschen fro, was eigentlich kein Name, sondern eine Bezeichnung ist. Es dürfte sich um eine tabuisierte Bezeichnung eines Gottes handeln, dessen Name selbst unbekannt ist bzw. nicht benutzt wird. (Ähnliches findet man bei biblischen Texten, wo Jahwe durch adonai = Herr ersetzt wird). Er erscheint erstmalig im 10. Kapitel der Ynglingasaga, wo er der Ahnherr der schwedischen Könige sein soll, unter dem Namen Yngvi, und im 11. Kapitel wird er als Vater Fjölnirs genannt und trägt den Namen Yngvi-Freyr. Etymologisch ist damit die Bezeichnung des germanischen Stammes Ingaevonen verwandt. Die Zusammensetzung könnte altgermanisch auf Ingwia-fraujaz (= Herr der Ingaevonen) zurückgehen. Saxo Grammaticus bezeichnet ihn als Statthalter der Götter.

Mythologie

Freyr gehörte zu den Wanen, die hauptsächlich Fruchtbarkeitsgötter waren. Er entstammt dem Inzest des Njörd, vermutlich mit dessen Schwester Nerthus. Zunächst mit seiner Schwester Freya verheiratet, die sich Odin zur Frau nimmt, warb er später um die Tochter des Riesen Gymir aus Jötunheim. Ihr Sohn Fjölnir wird dann zu einem der sagenhaften Könige Schwedens. Nach dem Wanenkrieg wurde Freyr als den Asen zugehörig betrachtet und später auch wieder verehrt. Bei Saxo residiert er in Upsala, wo er anstatt der "weisen" Opfer Menschenopfer einführt. Dieses Detail scheint Saxo von dem Kirchengeschichtler Adam von Bremen übernommen zu haben, der über den dortigen Tempel berichtet.


Sein Knecht, der Getreue Skirnir, der ihm einst zu seiner Gemahlin verhalf, wofür Freyr ihn mit seinem Schwert belohnt hat, ist meist mit ihm unterwegs. Nach der eddischen Dichtung Skírnismál war diese Gemahlin Gerdr eine schöne Frau, Tochter des Riesen Gymir mit der Aurboda. Skirnir gewann sie Freyr, als dieser sie von Odins Hochsitz aus gesehen hatte, nur mit Hilfe von Bestechungen, Drohungen und Zauber, weil Gerdr Freyr zuvor nicht heiraten wollte. Dieses Verbrechen führt dazu, dass Freyr bei Ragnarök ohne Schwert dem Feuerriesen Surt wehrlos ausgeliefert ist und sterben muss.

Freyr hatte das von Zwergen gebaute Schiff Skíðblaðnir, in dem alle Asen mit Rüstung Platz hatten, und das immer mit Wind im Rücken segelte, wohin man wollte. Der Zwerg Brokkr hatte für ihn auch den goldenen Eber Gullinbursti (der mit den goldenen Borsten) geschmiedet. Er heißt auch Slíðrugtanni (der mit den gefährlichen Hauern). Er zieht Freyrs Wagen und läuft durch die Luft und über das Wasser und beleuchtet mit seinen Borsten die Nacht.

Eber und Pferd sind dem Freyr besonders geheiligte Tiere. Ihm wurde wohl in alter Zeit das Eberopfer für Erntesegen dargebracht. Daher kommt wohl auch der Eber als Symboltier schwedischer Königsherrschaft in früherer Zeit. Die besondere Stellung des Pferdes kommt in der Sagaliteratur erst spät auf. Als Olav Tryggvason das Heiligtum Freyrs zerstört, ritt er den geheiligten Hengst und seine Mannen die geweihten Stuten. Hier bestand offenbar ein Tabu, dass die geweihten Pferde nicht geritten werden durften.

Er herrschte über Regen und Sonnenschein und wachte als Fruchtbarkeitsgott über das Wachstum. Sein Kultzentrum war Uppsala, wo er neben Thor und Odin unter dem Namen Fricco (Adam von Bremen) oder Frø (Saxo Grammaticus) verehrt wurde. Saxo schreibt, dass ihm dort jährlich ein Opfer von Hadingus und seinen Nachkommen dargebracht worden sei (Lit.: Saxo I, Kap. 8, 12). Nach Adam von Bremen geschah dies nur alle 9 Jahre , wobei Menschen und Tiere getötet worden seien (Lit.: Adam IV, 27).

Saxo Grammaticus schreibt, dass Hadingus dem Gott Frø ein Sühneopfer dargebracht hat (Lit.: Saxo I, 8, 12). Dieser wird mit Freyr als identisch angesehen. Adam von Bremen berichtet von einem Tempel in Uppsala, der dem Fruchtbarkeitsgott Fricco geweiht sei (Lit.: Adam IV, 24). Ob es sich dabei um Freyr handelte, ist unsicher und nicht besonders wahrscheinlich, da eine etymologische Verbindung nicht herzustellen ist. Die Ynglinga-Saga berichtet weiter, dass der Fróðafriðr (Froði-Frieden) während der Herrschaft des mythischen Königs Freyr in Dänemark zu anhaltenden guten Ernten geführt habe. Deshalb wird Froði in der Forschung meist mit Freyr identifiziert. Das würde auch etymologisch plausibel sein, da Froda im Altschwedischen "Üppigkeit, Fruchtbarkeit" bedeutet. Dabei handelt es sich möglicherweise um einen phallischen Gott, was zu den Darstellungen Freyrs mit einem riesigen Phallus passen würde.

Literatur

  • Adam von Bremen: Gesta Hammaburgensis ecclesiae Pontificum". In: Quellen des 9. und 11, Jahrhunderts zur Geschichte der Hamburgischen Kirche und des Reiches. Darmstadt 1978.
  • Eyvind Fjeld Halvorsen: Freyr. In: Kulturhistorisk leksikon for nordisk middelalder. Bd. IV. Kopenhagen 1959.
  • E. C. Polomé: Freyr. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Bd. 9. Berlin 1995.
  • Saxo Grammaticus: Historiae Danicae Stephanus Johannes Stephanius (Hrsg.) Sorø 1645. Zit. nach der dänischen Übersetzung von Peter Zeeberg. Kopenhagen 2000.
  • Jacob Grimm: Deutsche Mythologie K. W. Schütz- Verlag, Coburg. ISBN 3-87725-133-1 (Überarbeiteter Reprint der Originalausgabe von 1943 nach dem Exemplar des Verlagsarchives)

Weblinks