Fasnacht

Die Fasnacht (oder Fastnacht) bzw. der Fasching ist der ober- und mitteldeutsche Ausdruck für "Karneval". Zu unterscheiden sind dabei

  1. die schwäbisch-alemannische Fasnacht
  2. der austro-bavarische Fasching (Bayern, Österreich)
  3. die rheinische Karneval (auch "rheinische Fastnacht", Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Franken)

In der Wissenschaft besteht keine Einigkeit über den tatsächlichen Ursprung des Wortes. Religiös wird der Festname im volksetymologischen Sinne in bemerkenswert breiter Weise ausgedeutet.


Festtermin

Hochneujahr

Disting

Funkensonntag

Herkunft und Bedeutungen des Namens

Die derzeit älteste bekannte literarische Erwähnung der "fasnaht" findet sich in einem auf das Jahr 1206 datierten Teil des Parzival des Minnesängers Wolfram von Eschenbach. Dort heißt es, dass "die koufwip zu Tolenstein an der fasnaht nie baz gestriten" hätten [1][2] Wolfram von Eschenbach beschreibt dort mit blumigen Worten, wie die Frauen rund um die Burg der Grafen von Hirschberg-Dollnstein am Donnerstag vor Aschermittwoch groteske Spiele, Tänze und Verkleidungen vollführten.

Es wird so ein Brauchtum bezeichnet, das im Vorfrühling stattfindet (Februar oder März), und zwar vor Beginn der katholischen Fastenzeit (Aschermittwoch) (Grimm DWB: "die letzte derb ausgenossene freszzeit vor dem beginn der faste (...) die fastnachtzeit war eine der fröhlichsten im jahr, spielleute, schwerttänzer und fechter zogen durch das land in die wirtshäuser und trugen den gästen ihre belustigenden spiele vor").

Volksetymologisch wird das Wort Fastnacht oft an das althochdeutsche fasta (Fastenzeit) und naht (Nacht, Vorabend) angeschlossen und angegeben, der Name bezeichne ursprünglich nur den Tag vor Beginn der Fastenzeit, ab dem 15. Jahrhundert auch die Woche davor. Eine andere Volksetymologie stellt eine Verbindung zum Wort Fass her, ebenso (aber eher spielerisch) zum Fest, dem Faseln oder fast Nacht. Althochdeutsch belegt ist fastatac ("Fasten-Tag"), erst mittelhochdeutsch vastnaht'. Die Nebenform Fasnacht (bereits mhd. als vasnaht) hat den Vorschlag gezeitigt, das -t- und damit der direkte Bezug auf das Fasten sei volksetymologisch, und die ursprüngliche Form sei damit Fasnacht und beziehe sich auf einen vorchristlichen Fruchtbarkeitsbrauch, dessen Name ein ausgestorbenes vaselen "fruchten, gedeihen" enthalten. Diese Etymologie wurde bereits von Grimm entschieden abgelehnt[3] und wird auch in späteren etymologischen Wörterbüchern (Pfeifer) verworfen. Der sprachwissenschaftliche Vergleich der Dialektwörter ergibt jedoch eine gemeinsame Wortform der Gestalt *fasanaht, die diese Interpretationen widerlegt. Die Bedeutung des Vorderglieds fasa- bleibt unklar. Am wahrscheinlichsten scheint ein Anschluss an eine indogermanische Verbalwurzel *pwos- mit der Bedeutung reinigen, läutern, fasten, was zu verschiedenen Facetten passen würde. Oberdeutsch Fasching setzt mhd. vaschanc, vaschang fort, was entweder aus *vastganc "Fasten-Gang" oder aus *vastschanc "Fasten-Schank" erklärt wird.

Mythen und Gottheiten

Grundsätzlich steht aufgrund des närrischen Charakters das Fest die göttliche Welt auf dem Kopf. Deswegen sind gerade Gottheiten, die Kreativität und Chaos verkörpern, für dieses Fest beliebt. Die wichtigste Stellung kommt zunächst Wodan als Anführer der Wilden Jagd zu. Auch Loki, der gerne als jugendliches Spiegelbild Odins gedeutet wird, spielt dabei eine besonders starke Rolle.


Faselhannes

Till Eulenspiegel

Lodur

Nerthus

Zahlreiche lokale Sagengestalten

Kleines Volk bzw. Niedere Mythologie

Böhze (allerdings eher in den vorherigen Wintermonaten)

Narren

Hexen

Teufel

Brauchtum

Karl Simrock deutete den Begriff "Karneval" als Carrus Navalis, zu deutsch "Schiffswagen", was sich jedoch als fantasievolle Eigenschöpfung Simrocks herausgestellt hat. Von dieser Deutung leitet sich die Vorstellung ab, dass die Göttin Nerthus in einem solchen Wagen an den Prozessionen der Fastnacht teilgenommen hätte. Tatsächlich ist der Umzug der Nerthus aber eher in die Zeit zwischen Fastnacht und Ostern zu datieren.

Geschichte der Festbräuche

Kontinuitätsfrage

Eine grosse Rolle spielen Masken-Bräuche und Umzüge Vermummter. Daran lassen sich leicht eine grosse Zahl von Parallelen aus aller Welt, auch aus der vorchristlichen Antike, anknüpfen. Die Volkskunde des 19. und frühen 20. Jh. war denn auch schnell bereit, grosse Teile dieser Bräuche auf deutschsprachigem Gebiet als Fortsetzungen germanischer oder auch keltischer Traditionen aufzufassen. Die heutige Forschung ist diesbezüglich sehr viel vorsichtiger geworden. Kulturelle Kontinuität der Fasnachtsbräuche lässt sich direkt nur seit dem Spätmittelalter nachweisen. Die Annahme von kultureller Kontinuität aus vorchristlicher Zeit lässt sich im Einzelfall nicht a priori ausschliessen, wird aber als Ausnahme gesehen und mit Skepsis betrachtet, so dass im Zweifelsfall aus heutiger Sicht die Beweislast bei demjenigen liegt, der solche Kontinuität behaupten möchte.


Vorläufer des Festes

Vor dem Spätmittelalter nachweisbar sind Narrenfeste, die seit dem 12. Jh. an Hochneujahr (Dreikönigstag, 6. Januar) belegt sind, also etwas früher als die spätmittelalterliche Fasnacht, am Ende der Rauhnächte, so dass man hier eine Schnittstelle vermuten könnte, über die vorchristliche Winterbräuche in die moderne Fasnacht eingeflossen sein könnten. Die spätmittelalterlichen Maskenumzüge sowohl im Vorfrühling als auch in der Adventszeit werden jedoch von verschiedenen zeitgenössischen Quellen als neuartiger Brauch (der von Sittenverfall zeuge) aufgefasst.[4]


Anmerkungen

  1. Wolfram von Eschenbach, Werke, hrsg. von Karl Lachmann, Berlin 5. Aufl. 1891, VIII. Buch in der 8. und 9. Zeile des 409. Verses.
  2. http://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/13Jh/Wolfram/wol_pa08.html
  3. "dies fasnacht darf nur nicht verleiten, das wort auf eine andere wurzel als fasten zurückzuführen, wie schon Zarnke mhd. wb. 2, 301b mit recht rügt, während es Müller 3, 330a unter vise gebracht hat. vas für vast ist keine andere abstumpfung als die auch in runs, kuns, guns, fris für runst, kunst, gunst, frist, ja im nd. is für ist erscheinende, wogegen anderemal ein ungehöriges t hinzutrat, habicht für habich u. s. w. in der Schweiz, in Schwaben, im Elsasz herscht noch heute fasznacht, wie in Östreich und Baiern fasching vor
  4. z.B. "So ist ouch ein nüwe gewonheit hie ufferstanden, das man im atventanfaht in böken wise zu gonde und erber lüte zu überfallende in iren hüsern" (Ratserlass aus Basel, 1418, zitiert in Archives suisses des traditions populaires 86 (1990), p. 73.)