Alemannen

Die Alemannen (auch Alamannen, Alamanni) waren ein germanischer Stammesverband in der Spätantike und im Frühmittelalter.

Die Alemannen werden erstmals im 3. Jh. erwähnt, als sie im Main-Gebiet siedelten. Ihre Nachbarn waren die Chatten (Hessen) im Norden, die Franken im Westen, die Boii (Böhmen, Bajuwaren im Osten und das Römische Reich (die Provinz Rätien) im Süden. Ihr Name bedeutet vermutlich einfach "alle Männer", also eine Föderation aus verschiedenen älteren Stämmen, unter anderem vermutlich Bestandteile der Sueben, Markomannen, Burii, Hermunduri, Armalausi usw.

Sprachlich bildet das Alemannische zusammen mit dem Bajuwarischen dieOberdeutschen Dialekte. Die heutigen Sprecher des Alemannischen sind die Elsässer, die Schwaben und die deutschsprachigen Schweizer.

Die Alemannen unternehmen verschiedentlich Raubzüge ins Innere des Römischen Reiches in Gallien und Norditalien während des 3. und 4. Jh. Mit der zunehmenden Schwächung des Reiches einerseits und unter dem Druck des erstarkenden Frankenreichs andererseits wandern sie nach Süden, durchbrechen den Limes, und siedeln im Norden der römischen Provinzen Germania Superior (im Schwarzwald) und Raetia (an der oberen Donau). Im Jahr 260 wurde der Limes an die Donau-Iller-Rhein-Linie zurückgenommen, und die Gebiete nördlich davon wurden ab dem späten 3. Jh. als Alamannia bezeichnet. Dieser neue Limes wurde im 4. Jh. stark befestigt, musste aber zu Beginn des 5. Jh. ebenfalls aufgegeben werden. Im 4. und 5. Jh. bestanden Föderaten-Verträge zwischen den Alemannen und den Römern. Der alemannische König Chrocus leistete bereits im frühen 4. Jh. Heerdienste in der römischen Armee in Britannien. Die Verträge mit den Alemannen konnten von Stilicho 398 erneuert werden. Im Jahr 401 mussten jedoch die römischen Truppen am Limes abgezogen werden, um der Bedrohung durch die Goten unter Alarich zu begegnen. In der Folge wanderten die Alemannen allmählich über den Rhein und siedelten in den inzwischen nur noch dünn besiedelten Gebieten links des Rheins, zunächst im Elsass, und im späteren 5. Jh. auch im Schweizerischen Mittelland.

Während der ersten Hälfte des 5. Jh. schützten allerdings die föderierten Alemannen nach wie vor die Provinz Rätien gegen diesen Wanderungsdruck. Noc 430 unter Flavius Aetius und 457 unter Majorian wurden alemannische Einfälle in Rätien und Italien erfolgreich abgewehrt, während Gallien schon mehr oder weniger aufgegeben war. 476 brach das Weströmische Reich endgültig zusammen. Die Alemannen siedelten entlang des oberen Rheins und der oberen Donau, südlich des Rheins entlang der Aare und der Reuss. Im Norden und Nordwesten war das Reich der fränkischen Merowinger, im Westen das Reich der Burgunder, im Süden siedelten die Langobarden und im Osten die Bajuwaren.

Bis im 5. Jh. führden die Alemannen nach elbegermanischer Sitte v.a. Brandbestattungen durch. Nach 450 setzt sich bei ihnen, wie bei den Westgermanen allgemein, die Körperbestattung in Reihengräbern durch.

Um das Jahr 500 verloren die nördlichen Alemannen die politische Unabhängigkeit unter eigenen Königen und wurden vom Frankenreich unterworfen. Gleichzeitig stellte Theoderich die südlichen Alemannen unter ostgotisches Protektorat. In der Folge waren die Alemannen während etwa vierzig Jahren in der Grenzzone zwischen gotischer und fränkischer Interessensphäre. Um 536 musste dann allerdings der Ostgotenkönig Witigis das Protektorat über Rätien dem Frankenkönig Theudebert abtreten. Seit dieser Zeit standen die Alemannen unter fränkischer Herrschaft. Während sowohl Goten als auch Franken zu dieser Zeit bereits Christen waren, behielten die Alemannen während des 6. Jh. ihre heidnische Religion bei, und übernahmen erst während des 7. Jh. unter fränkischem Einfluss nach und nach das Christentum. Mit der Christianisierung verschwinden die Reihengräber mit ihren Grabbeigaben zugunsten von Friedhöfen um Kirchen. Die Alemannen, die unter Theudebald gegen die Goten kämpften, wurden von dem byzantinischen Historiker Agathias beschrieben. Sie seien von den Franken nur in ihren religiösen Bräuchen unterschieden. Die Alemannen des 6. Jh. verehrten laut Agathias Bäume, Flüsse und Bergtäler durch Tieropfer, namentlich Pferde, Rinder und "zahllose andere Tiere", die sie durch Enthauptung töteten. Die Missionierung der Alemannen im frühen 7. Jh. wird den Heiligen Fridolin und Kolumban zugeschrieben. Die im 7. und 8. Jh. gegründeten Klöster in Alemannien spielten später eine wichtige Rolle in der althochdeutschen Schriftkultur. In der Vita des Kolumban wird von einem alemannischen Bieropfer an Wodan in Bregenz am Bodensee berichtet. Im 7. Jh. befanden sich die Alemannen in einem Zustand des religiösen Synkretismus: sie wurden nicht gewaltsam oder per Dekret christianisiert, sondern passten sich einfach nach und nach der fränkischen Oberschicht an. Aus dieser Zeit der allmählichen Christianisierung stammt die erste Fassung der alemannischen Gesetze (Lex Alamannorum), wo traditionelles germanisches Stammesrecht mit kirchlichen Rechtsansprüchen kombiniert ist.

Während des 6., 7. und frühen 8. Jh. waren die Alemannen wohl den Franken tributpflichtig, wurden aber direkt von alemannischen Herzögen regiert. Es kam während dieser Zeit auch wiederholt zu Aufständen gegen die fränkische Herrschaft. Dieser Widerstand wurde erst 746 mit dem sogenannten "Blutgericht von Cannstatt" gebrochen. Das Herzogtum Alemannien wurde aufgehoben und nun direkt von den Franken beherrscht.

Im 9. Jh. wurde Alemannien als regunum Sueviae von den Karolingern regiert. Von 911 bis 1268 bestand dann wieder ein Herzogtum Alemannien, ab dem 11. Jh. auch als Herzogtum Schwaben bezeichnet, als eines der Stammherzogtümer des Heiligen Römischen Reiches. Im 13. Jh. fallen dann Teile des ehemaligen Herzogtums an die Markgrafschaft Baden, die Grafschaft Württemberg und an das Herzogtum Burgund. Wichtige Adelsfamilien, die sich im Hochmittelalter in Schwaben etablieren sind die Zähringer und die Habsburger. Ab dem 14. Jh. fallen dann v.a. Gebiete der Zähringer und der Habsburger südlich des Rheins an die Schweizerische Eidgenossenschaft.